1. Einfühlen

Was ihr in dieser Phase machen sollt: Lernt eure Nutzer*innen richtig kennen! Geht raus und sprecht mit den Menschen, die von eurem Problem betroffen sind. Hört zu, beobachtet und versucht zu verstehen, wie sie die Situation erleben. Überlegt euch als Team, wo ihr den einfachsten Zugang zu eurer Zielgruppe findet - das kann ein erstes Interview sein oder ein Wissensatlas, den ihr gemeinsam entwickelt.

Hilfreiche Methoden für diese Phase:

Nutzer*innen-Interviews: Führt Gespräche mit eurer Zielgruppe - fragt nach ihren Erfahrungen, Problemen und Wünschen. Plant 30-60 Minuten pro Interview und bereitet offene Fragen vor (z.B. "Erzählt mir von eurer letzten Erfahrung mit...").

Persona erstellen: Entwickelt einen "Steckbrief" eurer typischen Nutzer*in mit Name, Alter, Beruf, Lebenslage, Zielen und Bedürfnissen. Das hilft euch, immer im Blick zu behalten, für wen ihr entwickelt.

Stakeholder Map: Zeichnet auf, wer alles bei eurem Problem eine Rolle spielt - direkt Betroffene, Entscheider**innen,* Expert*innen. Fragt euch: Wer hat Einfluss? Wer ist betroffen? Wer kann helfen?

Umfragen: Nutzt Online-Tools für quantitative Daten - wenn ihr z.B. wissen wollt, wie viele Studierende ein bestimmtes Problem haben. Kurz halten (max. 10 Fragen) und gezielt fragen.

Wissensatlas: Sammelt systematisch, was bereits über euer Thema bekannt ist - Studien, Artikel, bestehende Lösungen. Macht eine Art "Landkarte" des vorhandenen Wissens, bevor ihr selbst forscht.

Beispiel aus dem Law Lab 2.0.: Label-Dschungel

Die Studierenden starteten mit der Beobachtung des Alltagsproblems im Supermarkt: Menschen möchten umweltbewusst einkaufen, verlieren sich aber im „Label-Dschungel“. Unklare Begriffe („öko“, „natürlich“) und eine Vielzahl von Siegeln ohne klare Unterschiede überfordern die Verbraucher:innen. Interviews und Rückmeldungen zeigten, dass Zeitdruck im Einkauf jede tiefergehende Recherche verhindert.

Handlungsanleitung:

  • Führe kurze Interviews direkt am „Ort der Entscheidung“ (Supermarkt, Regal).

  • Nutze eine Kartenabfrage, um zu sehen, welche Begriffe oder Siegel vertraut sind und welche verwirren.

  • Erstelle eine Persona (z. B. „unsichere Konsumentin, 35 Jahre, will ökologisch handeln, hat aber nur 5 Minuten Zeit“).

2. Definieren

Problem verstehen - Problemraum erkunden

Was ihr in dieser Phase machen sollt:  Jetzt wird's konkret! Nehmt alle Informationen aus der ersten Phase und bringt sie in eine klare Form. Taucht tief in die Materie ein und macht eine gründliche Recherche. Kartiert die wichtigen Akteure, macht eine SWOT-Analyse und grenzt eure Zielgruppe ein. Am Ende dieser Phase müsst ihr das Problem so gut verstanden haben, dass ihr es klar formulieren könnt.

Hilfreiche Methoden für diese Phase:

Point Of View formulieren: Bringt euer Problem auf den Punkt! Formuliert einen klaren Satz nach dem Muster: "[Nutzer*in] braucht [Bedürfnis], weil [Einsicht]". Zum Beispiel: "Studierende brauchen einfachen Zugang zu Rechtsberatung, weil sie sich oft unsicher fühlen und nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen."

Strukturkarte: Zeichnet die Zusammenhänge eures Problems auf! Macht eine Art Landkarte, die zeigt, wie Probleme, bestehende Regeln, Prozesse und Argumentationsketten miteinander verknüpft sind. Nutzt Pfeile, Linien und Boxen - so seht ihr das große Bild.

Mindmaps: Visualisiert eure Gedanken! Schreibt euer Hauptthema in die Mitte eines großen Blatts und sammelt alle verwandten Ideen, Begriffe und Zusammenhänge drumherum. Verbindet alles mit Linien - so entstehen neue Verbindungen und ihr übersieht nichts Wichtiges.

eispiel aus dem Law Lab 2.0.: Label-Dschungel

Die Gruppe formulierte das Kernproblem: „Im Supermarkt fehlt es an schneller, verlässlicher Orientierung zwischen Labels und ungeschützten Begriffen.“ Daraus wurde die Leitfrage: „Wie können wir Konsument*innen im Moment der Kaufentscheidung einfache Orientierung bieten?“

Handlungsanleitung:

  • Fasse die Beobachtungen in einem Satz: „Nutzer*in will X, aber kann nicht, weil Y.“

  • Formuliere mindestens eine HMW-Frage, z. B. „Wie können wir in weniger als 30 Sekunden eine verlässliche Einordnung von Siegeln ermöglichen?“

  • Prüfe: Ist die Frage spezifisch genug, um eine Lösung entwickeln zu können?

3. Ideen entwickeln

Was ihr in dieser Phase machen sollt: Werdet kreativ! Sammelt so viele Ideen wie möglich - egal wie verrückt sie erstmal klingen. Arbeitet am besten in der Gruppe zusammen und nutzt Methoden wie Mindmapping oder Brainwriting. Wichtig: Sucht noch nicht nach der perfekten Lösung, sondern sammelt erstmal viele verschiedene Ansätze. Dann einigt euch auf eine Idee, die ihr weiterentwickeln wollt.

Hilfreiche Methoden für diese Phase:

Crazy 8: Nehmt ein Blatt Papier und faltet es dreimal, sodass ihr acht Felder habt. Dann habt ihr genau acht Minuten Zeit, um in jedes Feld eine Lösungsidee zu skizzieren - eine Minute pro Idee! Keine Zeit zum Nachdenken, einfach drauflos zeichnen und schreiben. Das Ziel: Euer Kopf hat keine Zeit für Selbstzweifel.

Mindmaps: Schreibt euer Problem in die Mitte eines großen Blatts und sammelt alle Lösungsideen drumherum. Jede Idee bekommt eigene Äste mit weiteren Unterpunkten. So entstehen immer neue Gedankenverbindungen und ihr kommt auf Ideen, die ihr sonst übersehen hättet.

eispiel aus dem Law Lab 2.0.: Label-Dschungel

Die Gruppe durchlief mehrere Iterationen und hatte anfangs sehr unterschiedliche Vorstellungen. Erst durch Zielgruppenfeedback kam es zu einer neuen Richtung: ein Plakat direkt am Regal. Dieses sollte Warnungen vor irreführenden Begriffen geben, ein Farbranking der Siegel zeigen und kurze, einfache Erklärungen enthalten.

Handlungsanleitung:

  • Sammle viele Ideen, auch unrealistische.

  • Nutze eine Impact-vs.-Aufwand-Matrix: Was bringt viel Nutzen, was ist leicht umzusetzen?

  • Definiere klare Designprinzipien (hier: einfache Sprache, direkte Anwendbarkeit, keine Vorkenntnisse nötig).

4. Prototyp entwickeln

Was ihr in dieser Phase machen sollt: Was ihr in dieser Phase machen sollt: Macht eure Idee greifbar! Baut einen ersten Prototyp - das kann eine Skizze sein, ein Click Dummy oder sogar ein Rollenspiel. Wichtig ist, dass eure Idee "lebendig" wird und andere Menschen sie verstehen und ausprobieren können. Denkt daran: Es muss noch nicht perfekt sein, es geht nur darum, die Kernfunktionen zu zeigen..

Hilfreiche Methoden für diese Phase:

CIdeen Dashboard: Erstellt eine übersichtliche "Schaltzentrale" eurer Lösung! Zeichnet auf einem großen Blatt oder digitalen Board alle wichtigen Elemente eurer Idee auf - wie funktioniert sie? Welche Schritte gibt es? Was sehen die Nutzer*innen? Wie ein Cockpit im Flugzeug zeigt euer Dashboard alle wichtigen Funktionen auf einen Blick.

Click Dummies: Baut einen "klickbaren" Prototyp eurer digitalen Lösung! Mit Tools wie Figma, PowerPoint oder sogar gezeichneten Papierskizzen könnt ihr simulieren, wie eure App oder Website funktioniert. Nutzer*innen können durch die verschiedenen Seiten "klicken" und so eure Idee ausprobieren - ohne dass ihr schon programmieren müsst.

eispiel aus dem Law Lab 2.0.: Label-Dschungel

Die Studierenden entwarfen ein Plakat, druckten es testweise und hängten es probeweise auf. Wichtig war: Die Informationen mussten auch ohne Vorkenntnisse oder Hilfsmittel sofort verständlich sein.

Handlungsanleitung:

  • Baue ein Modell deiner Lösung (Poster, Flyer, Website-Mockup).

  • Teste die Lesbarkeit: Kann jemand die Kernbotschaft in 5 Sekunden erfassen?

  • Nutze Farben, Icons und Klartext, nicht nur Textblöcke.

5. Testen und Iterieren

Lösungsansatz finden - Erkenntnisse extrahieren

Was ihr in dieser Phase machen sollt: Was ihr in dieser Phase machen sollt: Testet euren Prototyp mit echten Nutzer*innen! Geht zu den Menschen, für die ihr die Lösung entwickelt habt, und lasst sie euren Prototyp ausprobieren. Sammelt Feedback, beobachtet, was funktioniert und was nicht. Dann verbessert euren Prototyp basierend auf dem, was ihr gelernt habt. Dieser Prozess wiederholt sich - das ist normal und gewollt!

Hilfreiche Methoden für diese Phase:

Feedback-Schleifen: Lasst eure Nutzerinnen den Prototyp ausprobieren und beobachtet genau, was passiert! Bietet eure Lösung an (z.B. eine Test-App oder einen Prozess), simuliert echte Nutzungssituationen und sammelt dabei systematisch Erkenntnisse. Fragt euch: Was funktioniert gut? Wo haken die Nutzerinnen? Was würden sie anders machen? Dann passt ihr euren Prototyp an und testet erneut.

Befragungen/Interviews: Führt strukturierte Gespräche mit euren Testern! Bereitet gezielte Fragen vor: "Wie war das für dich?", "Was war schwierig?", "Was hat dir gefehlt?". Plant 20-30 Minuten pro Interview. Wichtig: Fragt nach konkreten Erlebnissen, nicht nach Meinungen ("Erzähl mir, was passiert ist, als du..." statt "Findest du das gut?").

eispiel aus dem Law Lab 2.0.: Label-Dschungel

Das Feedback war sehr positiv: „visuell ansprechend, gut strukturiert und informativ“. Besonders hilfreich war die Klarstellung zu ungeschützten Begriffen. Gleichzeitig gab es Verbesserungsvorschläge: Die Reihenfolge der Labels solle klarer, die Farbgebung eindeutiger und die Begriffserklärungen ausführlicher sein.

Handlungsanleitung:

  • Lasse 5–7 Personen den Prototyp testen.

  • Stelle offene Fragen: „Was verstehst du hier?“, „Was würdest du jetzt tun?“

  • Dokumentiere Kritikpunkte und baue eine nächste Version.